Der bessere Bad Guy

clemens Schick im Interview

Text und Interview Anna sinofzik Fotografie Mustafah Abdulaziz

Die Pan Am Lounge ist ein Raum aus einer anderen Zeit. Als die amerikanische Airline das Penthouse des Eden-Hochhauses am Berliner Breitscheidplatz bezog, war die deutsch-amerikanische Freundschaft noch frisch. Der Vietnamkrieg war ihr eine Feuerprobe, aber das Verhältnis festigte sich. Es waren die Jetsetting-Sixties, in denen Flüge noch Luxus, Stewardessen stolz und Vertreter deutscher Volksparteien weitgehend optimistisch schienen. Willy Brand und Ludwig Erhard sollen in der Pan Am Lounge frühe Visionen zur Wiedervereinigung diskutiert haben. Kurz nachdem Letztere zumindest auf dem Papier Realität wurde, sind die Pan American Airlines pleite gegangen. Knappe dreißig Jahre später wird in der Bundespolitik weniger über Visionen, als über Wendeverlierer und die Fauxpas des eigenen Personals diskutiert. Die transatlantischen Beziehungen leiden unter dem Kabinett Trump.

 

Clemens Schick engagiert sich politisch, seitdem er 2008 vor deutschen Soldaten in Afghanistan Theater gespielt hat. Heute ist er Mitglied des Human Rights Watch Komitees in Berlin. Botschafter einer NGO in Südafrika, die Kinderkrankenhäuser betreibt. Seit 2016 auch Genosse der SPD. In diesem Sommer hat er einen offenen Brief an den US-Botschafter Grenell geschrieben, um an die Bedeutung Amerikas für die deutsche Demokratie zu erinnern. Nach dem Fotoshoot in der Pan Am Lounge treffen wir uns für ein Gespräch über Rollenklischees, seine Rollen im Film und die Rolle jedes Einzelnen in unserer Gesellschaft.

 

Chapter Glaubst du nicht mehr fest genug daran, dass man die Welt mit Filmen, Theaterstücken — generell mit der Kunst — verändern kann? Oder gibt es einfach einen Punkt, an dem das nicht mehr ausreicht?

Clemens Schick Ich glaube vor allem, dass Öffentlichkeit — egal wie groß sie ist — auch immer Verantwortung bedeutet. Dass ich mich engagiere, ist weniger eine Reaktion auf die aktuelle Lage, sondern in erster Linie das Ergebnis eines längeren Prozesses. Als ich 2008 das erste Mal meinen Theater-Soloabend für Soldaten in Afghanistan gespielt habe, wurde noch nicht groß von dem Konflikt dort berichtet — vom Krieg war da längst nicht die Rede. Ich war damals in Kabul, Kundus und Masar-i-Scharif; im Nachhinein wurde über diese Reise eine Dokumentation gemacht. 2011 bin ich nochmal hin und ein Journalist vom Spiegel ist mitgekommen. Damals habe ich gemerkt, dass man mit solchen Aktionen etwas erreichen kann. Und mir hat es Spaß gemacht, mich zu positionieren.

Chapter Handelst du als Schauspieler politisch, indem du deine Rollen wählst oder interpretierst?

Clemens Schick Das kann ich mir natürlich nicht immer leisten. Meine Rollen lassen sich oft nicht politisch interpretieren, weil sie nicht politisch sind.  Ich bekomme oft sehr raue Charaktere angeboten, also gern so Klischeemachomänner. Die Bad Guys. Obwohl ich selbst überhaupt keiner bin. Glaube ich zumindest. Im Frühjahr kommt wieder ein Kinofilm raus, Kidnapping Stella, in dem ich einen sehr brutalen Menschen spiele. Eigentlich den Prototypen eines pervers skrupellosen Mannsbilds.

Chapter Ich meine auch nicht, dass du den Menschen irgendwelche Ideale vorspielst. Könntest du nicht zum Beispiel Klischees hinterfragen, indem du den Bad Boy auf bestimmte Art spielst?

Clemens Schick Ich würde meinen Ansatz anders beschreiben: Das was ich an meinem Beruf liebe, ist, dass ich erst einmal urteilsfrei ergründen kann, was Menschen bewegt und zu ihren Taten bringt. Wenn ich Richard III im Theater spiele, der seine Frau umbringt und seine Neffen und Nichten, dann erlaube ich mir also nicht, diese Figur zu beurteilen, sondern versuche eher zu verstehen, warum sie so handeln könnte. Das interessiert mich eher, als die Dinge direkt in den gesellschaftlichen Kontext zu setzen.

Chapter Sie stehen aber immer im gesellschaftlichen Kontext.

Clemens Schick Klar. Aber ich glaube das ist dann die Aufgabe des Publikums. Dass die Leute dann in der Betrachtung den Bezug herstellen. Besonders im Theater hat das ja eine große Tradition. Politisch zu sein, indem man Menschen eine Geschichte erzählt, damit sie dann, quasi im Betrachten, die eigene soziale Situation reflektieren. Oder über gesellschaftliche Parallelen nachdenken, die man ihnen aber, glaube ich, nicht allzu sehr aufs Auge drücken darf.

 

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»Ich bekomme oft sehr raue Charaktere angeboten, also gern so Klischeemachomänner. Die Bad Guys. Obwohl ich selbst überhaupt keiner bin. Glaube ich zumindest.«

 

 

Chapter Mit Theater- oder Art-House-Produktionen erreichst du ein Publikum, das für solche Transferleistungen empfänglich ist — dafür aber nur einen kleinen Teil der Gesellschaft. Im »Barcelona Krimi« der ARD spielst du diesen bisexuellen Macho … Du hast mal gesagt, dass du dich selbst erst spät geoutet hast, weil du dich in keine Schublade stecken lassen wolltest.

Clemens Schick Im Fall dieses Ermittlers Bonet war es wirklich so, dass wir im Vorfeld gemeinsam überlegt haben, was man heute für Figuren erzählen kann, die eben nicht den Stereotypen entsprechen, die sonst so im Mainstream-Fernsehen vorkommen. Da versuche ich auf jeden Fall auch, Aspekte die mir persönlich wichtig sind, in die Rolle reinzubringen. Und wenn mir eins wichtig ist, dann ist das Freiheit. »Ich liebe Männer — ich liebe Frauen«, empfinde ich als beengend. Ich sage eben: ich liebe beides, das ist mein Ideal. Und ich glaube auch, dass das in sehr vielen von uns steckt.

Chapter Lernst du selbst viel von den Figuren, die du spielst, über die Zeit, in der wir leben?

Clemens Schick Was mich ganz stark antreibt, ist die Neugierde. Da sind dann natürlich besonders die Charaktere interessant, die total anders ticken, als ich selbst. Wenn ich lese, wie sich jemand verhält, was er tut, und mich das erst mal fassungslos macht, dann versuche ich zu verstehen, was diesen Menschen antreibt. Als Schauspieler, der sich auf eine Rolle vorbereitet. Aber auch sonst so im Leben.

Chapter Redest du mittlerweile lieber über die Politik, als über die Schauspielerei?

Clemens Schick Das hängt von den Fragen ab. Es ist aber in jedem Fall so, dass politische Themen einen recht großen Raum für mich einnehmen. Und ich mich da eben auch sehr aktiv positioniere. Oder es zumindest versuche.

Chapter In einem Aufruf an die SPD Parteiführung hast du mit anderen Parteimitgliedern gefordert, die Personaldebatten zu beenden und wieder über Inhalte zu sprechen. Das war Anfang des Jahres. Seither ist es eigentlich nur schlimmer geworden. Ist das nicht frustrierend?

Clemens Schick Total frustrierend. Natürlich. Nicht nur frustrierend, sondern gerade im Moment auch echt besorgniserregend. Die AfD ist im Osten stärkste Kraft und ansonsten im Augenblick die zweitstärkste. Das beunruhigt mich. Von Angst würde ich nicht sprechen, Angst ist zu opfermäßig, zu passiv. Und in meinen Augen geht es gerade vor allem darum zu handeln.

Chapter Du hast im letzten Bundestagswahlkampf Martin Schulz’ Kampagne »Meine Stimme für Vernunft« unterstützt. Ist die Unvernunft die Mutter aller Probleme?

Clemens Schick Ich bin kein Fan von Kampagnenslogans, aber das ist auf jeden Fall einer, den ich unterschreiben kann. Vernunft bedeutet für mich vor allem, einen möglichst unverstellten Blick auf die Realität zu werfen. Damit tun wir uns heute sehr schwer und das ist in der Tat gerade ein großes Problem. Ein anderes Anzeichen unserer Unvernunft ist wohl, dass wir heute solche Turboindividualisten geworden sind. Das Commitment füreinander, also zumindest wenn es über vier Personen hinausgeht, ist für viele schon fast gar nicht mehr möglich. Wie soll da eine Volkspartei funktionieren? Interessant ist aber ja, dass zum Beispiel bei den Grünen gerade einiges funktioniert …

Chapter Weiß nicht eigentlich jeder vernünftige Sozialdemokrat, dass Robert Habeck der beste nächste Kanzler wäre?

Clemens Schick Ich persönlich schätze ihn sehr.

Chapter Wie geht man mit dem sogenannten Rechtsruck um? Oft bleibt es ja bei dieser dusseligen Rhetorik: »Wir müssen uns um die Abgehängten kümmern.«

Clemens Schick Man muss den Menschen klarmachen, dass nationalistische Narrative nirgendwo hin führen, nur in die Krise. Das ist schwierig. Aber wir haben ein gutes Grundgesetz. Eine gute Verfassung. All das muss angewandt werden. In aller Härte, in alle Richtungen. Wenn die Verfassung verletzt wird, dann muss das geahndet werden. Um unser Grundgesetz anwenden zu können, brauchen wir eine gut ausgestattete Polizei. Aber natürlich auch Kontrollmechanismen innerhalb der Polizei, die unsere Verfassung verteidigen.

Chapter Stimmt es, dass deine Eltern gern gesehen hätten, dass du Rechtswissenschaften oder etwas in der Richtung studierst?

Clemens Schick Nee. Ich komme zwar aus einer Juristenfamilie, war aber extrem schlecht in der Schule, eigentlich jedes Jahr versetzungsgefährdet. Meine Mutter hat mir schon eher nahegelegt, Bademeister zu werden.

Chapter Bevor du als Schauspieler Erfolg hattest, warst du Türsteher, Barkeeper und hast für Nan Goldin gemodelt. Wie hat dich die Zeit mit ihr geprägt?

Clemens Schick Extrem, schon weil ich damals aus so einem Überlebenskampf kam. 1999/2000 war unsere engste Phase, da habe ich auch kurz in New York gelebt. Ich hatte vorher auf einer privaten Schauspielschule studiert, weil mich keine Staatliche genommen hatte, und es war überhaupt nicht absehbar, dass ich auch nur einen Pfennig verdienen würde. In dieser Situation dann jemanden um sich zu haben, der so brutal radikal ist, mit sich selbst, aber auch mit seinen Mitmenschen, das hat definitiv meine Sichtweise verändert. Ich kannte so ein Leben vorher nicht und obwohl ich wusste, dass ich selbst nicht so leben will wie sie, war es für mich eine Art von Befreiung zu sehen, dass es so auch gehen kann.

Chapter Nan Goldin war Oscar-Wilde-Fan. Sie meinte einmal, durch ihn habe sie so früh verstanden, dass man der sein kann, der man vorgibt zu sein, sich also immer wieder neu erfinden kann.

Clemens Schick Ich glaube, um im Leben glücklich zu sein, muss man sich wirklich immer wieder ganz bewusst klar machen, wer man sein möchte, wofür man steht, und was man eigentlich will. Von sich selbst, aber auch von der Gesellschaft, die uns so vieles ermöglicht — da kann man sich nicht immer nur dran bedienen. Wenn uns unsere Freiheit was wert ist — wenn wir uns was wert sind — dann müssen wir auch etwas dafür tun.

»Wenn ich lese, wie sich jemand verhält, was er tut, und mich das erst mal fassungs­los macht, dann versuche ich zu verstehen, was diesen Menschen antreibt. Als Schauspieler, der sich auf eine Rolle vorbereitet. Aber auch sonst so im Leben.«

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»Ich glaube, um im Leben glücklich zu sein, muss man sich wirklich immer wieder ganz bewusst klar machen, wer man sein möchte, wofür man steht, und was man eigentlich will. Von sich selbst, aber auch von der Gesellschaft, die uns so vieles ermöglicht.«

 

Chapter Muss man heute Feminist sein?

Clemens Schick Ich tu’ mir generell mit solchen Begrifflichkeiten schwer. Weil ich sie für mich selbst eigentlich nicht brauche. Ich bin in einem Umfeld groß geworden, wo es ganz klar war, dass man andere respektiert. Ich bin von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen worden, mit vier Geschwistern und hatte immer viele starke, charismatische Frauen um mich herum. Aber klar: Wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen immer noch schlechter bezahlt werden als Männer. Die immer noch von Männern dominiert ist. Man muss sich ja bloß mal dieses Bild angucken, das im amerikanischen Senat aus der Perspektive von Dr. Ford gemacht wurde: Die blickte da fast ausschließlich in die Gesichter alter, weißer Männer. Da denke ich doch erst mal nur: Dieser ganze Fuck, der kann doch gar nicht stimmen. Es muss mehr Frauen in solchen Positionen geben. Es muss gleiche Gehälter geben. Staatlich finanzierte Kinderbetreuung. Gleiche Chancen. Und zwar sofort. Wenn das Feminismus ist, dann würd ich mich als Feministen bezeichnen. Wie definierst du Feminismus?

Chapter Es gibt natürlich unterschiedliche Feminismen. Den, von dem du gerade sprichst, in dem es vor allem um Gleichberechtigung geht. Aber auch diesen Hashtag-Feminismus, der ziemlich polarisierend ist und mitunter eine Political Correctness bis zum get no produziert …

Clemens Schick Wie bei jeder Debatte wird auch in dieser teilweise maßlos übertrieben. Das mindert aber ja nicht die Wichtigkeit der Debatte selbst. Ich glaube, das muss man jetzt gerade aushalten, auch wenn es manchmal nervt. Ich liebe es zu flirten. Wenn man nicht mehr flirten kann, dann ist das ganz, ganz schlimm. Aber ein Flirt muss eben beidseitig sein. Sobald der andere — egal jetzt ob als Frau oder Mann — keinen Bock darauf hat, überschreitet man eine Grenze. Dass man da mittlerweile vorsichtiger sein muss, ist für mich aber völlig okay. Da kann man jetzt rumheulen und sich beschweren, dass gewisse Dinge gerade nicht möglich sind. Aber dann sind sie eben in der Form nicht mehr möglich. Die Diskussion ist nun mal gerade wichtig. Selbst wenn sie manchmal Auswüchse hat, die einen wahnsinnig machen. Ich glaube, das muss man aushalten, in einer Gesellschaft, die so verrückt ist, wie unsere.

Chapter Hat die Debatte in deinem direkten Umfeld vieles verändert?

Clemens Schick Auch wenn all die Dinge, die da angestoßen wurden, für mich keine sind, die ich jemals in Frage gestellt habe, beobachte ich natürlich, dass es gerade einfach unheimlich viel aufbringt und man sich damit anders auseinandersetzen muss, besonders in meiner Branche. Ich habe gerade vor ein paar Tagen eine amerikanische Netflix-Produktion beendet, da gab es eine Session, in der wir explizit gebrieft wurden, in Bezug auf Sexual Harrassment, Übergrifflichkeit, Umgangsformen am Set. Das ist Pflicht jetzt bei Netflix in den USA, schon aus rechtlichen Gründen. Ich denke auch, dass so was extrem wichtig ist, auch wenn einem selbst diese Umgangsformen so selbstverständlich erscheinen. Denn wen es betrifft, dieses Thema, wer selbst Täter war oder auch Opfer, der oder die hört da anders hin. So eine Session wird schon auf sie wirken. Und nur darum kann es gehen.

Chapter Die Berliner Jusos wollen jetzt feministische Pornos fördern, um stereotypen, sexistischen Rollenbildern entgegenzuwirken. Du hast selbst Softpornos gedreht. Findest du so was wichtig oder ist das eine unnötige Form der Politisierung?

Clemens Schick Also ich finde die SPD hat gerade echt schwerwiegendere Probleme. In erster Linie geht es doch darum, dass wir ein gemeinschaftliches gesellschaftliches Bild finden. Deshalb ist Integration so wichtig, nicht nur in Hinblick auf Migranten, sondern auch auf Ost und West. Ich glaube, dass Deutschland in gewissem Sinne nicht wiedervereinigt wurde. Unsere Gesellschaft verändert sich so massiv gerade und wir müssen wirklich gucken: Was hält uns zusammen? Wenn das Gefühl von Gemeinschaft fehlt, werden Menschen empfänglich für populistische Schwachsinnsideen.

Chapter Denkst du nicht manchmal, wir sollten hier mal alle weniger schimpfen und wieder darüber reden, was gut läuft? Wäre das nicht auch gemeinschaftsstiftend?

Clemens Schick Jedes Mal wenn ich Europa verlasse, wird mir bewusst, wie frei wir hier eigentlich leben. Ich glaube aber, dass man die Tatsache, dass hier alle gerade so negativ sind, nicht der Bevölkerung zum Vorwurf machen darf. Die Politik hat einfach seit Jahrzehnten versagt, indem sie den Bürger nicht mehr in die Pflicht genommen hat sich aktiv zu beteiligen. Zum Beispiel die Abschaffung der Wehrpflicht und des sozialen Jahres. Das sind meiner Meinung nach riesige Fehlentscheidungen gewesen. Wieso soll man sich denn bitteschön nicht ein Jahr lang in die Gesellschaft einbringen, bevor dann jeder machen kann, was er möchte? Und wir haben ja noch nicht mal eine Wahlpflicht!

Chapter Warum sind wir heute recht gut im Verstehen, Analysieren und Kommentieren, aber dann doch relativ schlecht darin, Konsequenzen zu ziehen?

Clemens Schick Weil es uns hier eben immer noch verdammt gut geht. Vielleicht wird uns nicht genügend bewusst, was eigentlich auf dem Spiel steht. Ich war in letzter Zeit in einigen Ländern, in denen es keine Meinungsfreiheit gibt, die im Grunde Militärdiktaturen sind. Wo die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sonst wo ist, nur nicht in der Realität. Wo gerade glorreich errungen wurde, dass Homosexualität nicht strafbar ist. Wo allgemeine Gesundheitsversorgung in keiner Weise in erreichbarer Nähe ist. Ich habe gerade mit Brasilianern gedreht, in deren Land steht gerade ein Faschist zur Wahl und der Kandidat der eigentlich die meisten Stimmen hätte, Lula, sitzt im Gefängnis — ihm wurde das Recht abgesprochen, zu kandidieren. Manchmal muss man wirklich weg, um sich zu vergegenwärtigen, dass die Freiheit, die wir hier heute in vielerlei Hinsicht haben, wahnsinnig fragil ist.

Chapter Wo bist du zuletzt gewesen?

Clemens Schick Vor ein paar Tagen bin ich aus Thailand zurückgekommen, von Dreharbeiten der Netflix Produktion Sergio, dem erstem Spielfilm von Greg Barker. Der Film erzählt die Geschichte des brasilianischen Diplomaten Sérgio Vieira de Mello, der 2003 während einer UN-Friedensmission im Irak Opfer eines Bombenanschlags wurde. Barker ist eigentlich Dokumentarfilmer. Er hat auch The Final Year gemacht, einen Film, der das letzte Jahr der Obama Administration dokumentiert. Der macht einem auch mal wieder klar, dass sich die Zeiten schneller ändern können, als man denkt.